Tunesien

Tunis, Thalasso und die Frauen
Arabische Reiseziele üben einen besonderen Charme auf uns aus. Orientalische Gewürze, lange Gewänder, goldbestickte Tücher, Dattelpalmen, Meerwasser, Sanddünen und Kamele – diese reizvollen Bilder tauchen bei dem Gedanken an Tunesien in uns auf. 

Von Birgit Indra

Fotos: Pixabay

Fatimas Hand und die Tunesierinnen

In der Hauptstadt Tunis und den benachbarten Ortschaften wie Karthago und La Marsa spürt man die Sonderstellung, die dieses Land im arabischen Raum einnimmt. Einerseits ist hier ganz viel Tradition und alte Kultur spürbar, andererseits erkennt man beim Anblick der jungen Tunesierinnen, dass hier das Unmögliche möglich gemacht wurde: Die Stärkung der Frauenrechte und Gleichberechtigung wurden in den vergangenen 10 Jahren Schritt für Schritt umgesetzt – und das, obwohl der Anteil der Muslime bei 98 % liegt.

Fatimas Hand – Foto: Pixabay

Die Frauen hatten eigentlich schon immer großen Einfluss auf das Wohl des Landes. „Fatimas Hand“, die einem überall in Tunesien in Form von Schmuckanhängern, Geschirrmotiven oder Mosaikdetails begegnet, ist ein beliebtes magisches Abwehrmittel gegen das Böse und gleichzeitig ein Symbol für Kraft und Glück. Fatima, Mohammeds jüngste Tochter, nimmt im Islam einen wichtigen Platz neben dem Propheten ein, ähnlich wie Maria neben Jesus. In Tunesien wird diese Gleichstellung seit einigen Jahren ganz bewusst gelebt. Dies ist vielleicht mit ein Grund dafür, warum man sich als Reisende in diesem Land sehr wohl und geschätzt fühlt.

300 Sonnenstunden im Jahr

Das kleinste arabische Land der Welt ist das ganze Jahr über eine Reise wert. Nur zwei Flugstunden von Wien entfernt taucht man in die arabische Kultur ein, und jeder einzelne Tag ist voll von reizvollen Eindrücken, herrlichen Bildern und interessanten Erlebnissen. Mit mehr als 300 Sonnentagen im Jahr ist Tunesien für Badeurlauber von Mai bis Oktober eine perfekte Destination. Temperaturen von 10 bis 20 Grad locken im Herbst, Winter und Frühjahr vor allem Individualreisende an. Wenn man den Nebelfeldern und feuchtkalten Minusgraden zwischen November und Februar entfliehen und gleichzeitig etwas über die mehrere Tausend Jahre alte Kultur Tunesiens erfahren möchte, plant man am besten einen Kurztrip nach Tunis und Umgebung.

Sidi Busaid – Foto: Pixabay

La Marsa und der Markt

La Marsa liegt nördlich der Hauptstadt Tunis und ist ein beliebter Wohn- und Erholungsort. Dementsprechend fein kann man hier auch am Abend ausgehen und beispielsweise auf der schicken Dachterrasse des „Hotel Dar El Marsa“ bei Live-Jazzmusik einen prachtvollen Blick auf den Hafen und den Sonnenuntergang genießen. Neben einer Vielzahl von kleinen Geschäften, die bis zur Decke mit unterschiedlichsten Schals, Tischtüchern und Stoffbeuteln aus tunesischen Webereien vollgestopft sind (handeln lohnt sich!), findet man in der hinter dem Hafen gelegenen Markthalle alles, was das kulinarische Herz begehrt: orientalische Gewürze und Nüsse, köstliche, reife Orangen, Datteln, Granatäpfel und Artischocken in einer Qualität, die das Herz höher schlagen lässt. Den traditionellen gesüßten Pfefferminztee genießt man am besten im schattigen Innenhof des bekannten Cafés „Le Saf Saf“.

Hotel Dar El Marsa – Foto: Caro Strasnik

Orientalisch-mediterranes Flair

Eine Kombination von Augen- und Gaumenschmaus ist der Besuch des Restaurants „Au Coeur De La Médina“. Es ist bekannt für seine exquisite Küche, und die kunstvoll verzierten Wände, die kostbaren Teppiche, die schweren, goldumrahmten Spiegel und die samtbezogenen Sofas und Polster neben den Esstischen vermitteln den Eindruck, als wäre hier die Zeit stehen geblieben. Taucht man dann knuspriges Weißbrot in eine feurige Gewürzpaste aus Olivenöl, frischen Chili, Knoblauch, Kreuzkümmel und Koriandersamen, genannt „Harissa“, und beißt in ein „Brik“, eine traditionelle, mit Gemüse, Fleisch und Ei gefüllte Teigtasche, dann fehlt eigentlich nichts mehr außer der süßen, köstlichen, landestypischen Patisserie.

Karthago und Elissa

Spätestens in Karthago, der an der
Küste gelegenen Vorstadt von Tunis, begegnet man einer weiteren sagen­umwobenen Frauenfigur: Die phönizische Prinzessin Elissa (879–759 v. Chr.) sicherte der Gründungslegende nach Karthagos Fortbestand. Die Umstände, unter denen ihr Leben endete, sind jedoch keine schöne Geschichte, denn sie opferte sich selbst auf einem Scheiterhaufen, um der Stadt immerwährenden Wohlstand zu garantieren. Der Platz, ­auf dem diese spektakuläre Aktion stattfand, deretwegen sie bis heute als Mutter der Stadt in allen Geschichts­büchern steht, ist unbedingt einen ­Besuch wert. Durch einen wunder­schönen botanischen Garten erreicht man den „Byrsa-Hügel“, eine Anhöhe, von der aus ein prachtvoller Blick über antike Ausgrabungs­stätten bis hin zum Meer reicht.

Karthago – Foto: Pixabay

Medina Tunis – Foto: Caro Strasnik

Tunis und die älteste Medina der Welt

In der Altstadt von Tunis reihen sich weiße Häuser im maurischen Stil mit kunstvoll verzierten, bunt gestrichenen Holztüren aneinander, und in den engen, verwinkelten Gassen werden neben farbenprächtigen Teppichen und Tüchern üppig verziertes Silber­geschirr, aromatische Räucherwaren, große und kleine Shishas, kitschige Kunstblumen und vieles mehr angeboten. In der ältesten Medina der Welt herrscht eine besondere Atmosphäre, ein Geschäft folgt auf das nächste, und die Straßenverkäufer preisen unermüdlich ihre Ware an. Wer sich dadurch belästigt fühlt, ist hier fehl am Platz. Je mehr man sich jedoch auf diese fremdartige Kultur des Handelns einlässt, desto mehr versteht man, dass das laute Anpreisen und Feilschen einfach dazugehören. Das fremdsprachige Stimmengewirr wird nur vom singenden Ruf des Muezzins unterbrochen, der vom Turm der nahegelegenen ­Ez-Zitouna-Moschee zum Gebet ruft. Nach der Sidi-Oqba-Moschee in Kairouan ist sie die größte und wichtigste Moschee Tunesiens.

Restaurant Au Coeur De La Médina – Foto: Caro Strasnik

Foto: Caro Strasnik

Antoninus-Pius-Thermen – Foto: Caro Strasnik

Die Antoninus-Pius-Thermen

Auf der einen Seite blickt man auf Ruinen punischer Wohnhäuser, auf der anderen Seite befinden sich die Antoni­nus-Pius-Thermen, eine freigelegte römische Badeanlage aus dem 2. Jahrhundert. Sie ist die bis heute größte ihrer Art in ­Afrika und zählt zum UNESCO-Weltkulturerbe. Spaziert man durch die freigelegten Mauern und Säulen, bekommt man einen guten Eindruck von der enormen Größe des Bauwerkes. Beeindruckend sind unter anderem auch die Pläne und Skizzen des antiken römischen Aquädukts von ­Zaghouan, das ­damals schon 132 Kilometer lang und hochtechnisch ausgereift die Stadt Karthago mit Trinkwasser aus dem Atlasgebirge versorgte.

Foto: Pixabay
Foto: Caro Strasnik

Sidi Bou Saïd und „Villa Bleue“

Das malerische Künstlerdorf, auf dem Felsen von Karthago und am Golf von Tunis gelegen, ist ein heiliger, unter Denkmalschutz gestellter Ort und unbedingt einen Besuch wert. Für Liebhaber von Boutique-Hotels ist das Hotel „Villa Bleue“ ein wahrer Geheimtipp. Jedes Zimmer ist vollkommen individuell und mit viel Liebe und Geschmack eingerichtet. Aus jedem Zimmer, vom Outdoor-Pool und auch vom Restaurant aus, hat man einen atemberaubenden Blick auf das türkisfarbene Meer. Von hier gelangt man über verwinkelte Gassen, vorbei an alten, restaurierten Palästen und verzierten türkis-blauen Türen und Fenstern hinunter zu einem kleinen Basar und weiter zum „Café des Nattes“. Auf einem Teppich in dem berühmten, ­typisch maurischen Café zu sitzen, einen Pfefferminztee mit Mandeln zu genießen und die Männer dabei zu beobachten, wie sie die traditionellen Shishas herumreichen, ist besonders eindrucksvoll. Beschreiben kann man diese Stimmung nur schwer – man muss es erleben!

 

Traditionelle Speisen und Getränke

Der gesüßte Pfefferminztee und der arabische Kaffee, der in einem kleinen Kupferkännchen im heißen Sand aufgekocht wird, sind die traditionellen Heißgetränke des Landes. Duftendes Couscous gibt es in den unterschiedlichsten Varianten, nur mit Gemüse oder auch mit Fleisch – es schmeckt immer köstlich! Das mediterrane Klima im Norden des Landes mit mehr als 300 Sonnentagen und genug Regen im Winter und Frühjahr bringt eine Fülle an herrlich saftigem Obst, aromatischem Gemüse und duftenden Kräutern hervor, die das ganze Jahr über ein kulinarisches Top-Erlebnis ermöglichen. Lamm und Rind sind weit verbreitet, Kamelfleisch wird hauptsächlich im Süden gegessen, und die Fische und Krustentiere sind vom Feinsten – ganz zu schweigen von den exotischen Desserts aus Blätterteig, Erdnuss- und Pistazienpasten, Datteln, Honig und Rosenwasser.

Fotos: Hotel the Residence Tunis

Hotel The Residence Tunis

Für orientalische Prinzessinnen … oder alle, die sich so fühlen wollen!
Etwas außerhalb von La Marsa liegt, eingebettet zwischen dem Meer und einem Salzsee, das luxuriöse Strandresort „The Residence Tunis“. Mit der landesüblichen „Hand aufs Herz“-Geste nehmen sich hier die Hotelmitarbeiter in einer unvergleichlich freundlichen Art ihrer Gäste an. In drei Gourmet-Restaurants wird tunesisch, mediterran und chinesisch auf höchstem Niveau gekocht. Das Frühstücksbuffet gleicht einer Gaumen-Erlebniswelt! Hier findet sich alles, von Original-English-Breakfast über traditionell tunesische Spezialitäten und frisches Obst bis hin zu französischen Leckereien wie Crêpes und Croissants.

Nichts wird dem Zufall überlassen, weder in den 161 Zimmern und 9 Suiten, noch im großzügigen Barbereich oder in der paradiesischen Gartenlandschaft. Besonders beeindruckend ist der prachtvolle Spa-Bereich mit Indoor-Meerwasserpool. Auf 3.500 Qua­dratmetern kann man sich hier das ganz Jahr über von Kopf bis Fuß verwöhnen lassen, und wer sich etwas besonders Gutes tun möchte, bucht eine Thalasso-Kur. Es ist empfehlenswert, sich mindestens eine Woche Zeit dafür zu nehmen. Neben dem Outdoor-Pool inmitten des herrlichen Gartens lockt der hoteleigene Strand zum Sonnetanken unter Palmen. 

Spätestens beim Anblick des ersten Kamels, das seelenruhig unweit des rauschenden Meeres mit eingezogenen Beinen und stoischem Blick im Sand liegt, setzt die Wirkung des Zaubers ein, der von diesem Platz ausgeht. Beim Entspannen unter den Palmen-Sonnenschirmen gleiten die letzten Gedanken an zu Hause wie ein hauchdünner Schleier von einem ab und fliegen davon. Hier fühlt man sich wirklich wie eine orientalische Prinzessin! Tipp: Golfer erwartet inmitten eines Naturschutzgebietes einer der schönsten 18-Loch-Plätze des Mittelmeerraums, und mit etwas Glück kann man neben dem Fairway pinkfärbige Flamingos dabei beobachten, wie sie im Salzwasser nach Krebsen suchen.

Tipps Tunesien

 

Beste Reisezeit

Badereise: Mai bis Oktober, 300 Sonnentage, Durchschnittstemperatur 26 °C und Wassertemperatur 25 °C. Individual- und Kulturreise: Ideal im Frühjahr und Herbst, Durchschnittstemperatur 22 °C und viel Sonne. Wüstentouren: März und April, weil angenehmste Temperaturen. Thalassokuren: Das ganze Jahr über!

Wichtiger Tipp zur Einreise: Der Reisepass muss noch mindestens 6 Monate gültig sein!

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Foto: Pixabay

Mobilität

 

Alle internationalen Autovermieter am Flughafen von Tunis-Carthage vorhanden. Taxipreise sind sehr günstig (zwischen € 3,– und € 10,– Flughafen/Hotel)

Fahrradtouren: http://www.lelemontour.com/en/

TGM-Zug: Von Tunis Zentrum, Gammarth, La Mars, Karthago bis Sidi Bou Saïd (Dauer 36 Minuten, € 1,–)

https://www.rome2rio.com/de/map/Tunis/Sidi-Bou-Said

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Tunis
Foto: Pixabay

Hotels und Gästehäuser


Beste Adresse für Thalasso-, Strand- und Gourmeturlaub:
https://www.cenizaro.com/theresidence/tunis

Hotel mit Fahrradverleih in La Marsa: http://www.darelmarsa.com/

Gästehaus mit Segelschiff für Tagesausflüge in Sidi Bou Saïd: http://www.darsaid.com.tn/

Schmuckstück in Karthago: https://www.carthagehill.com/

Boutiquehotel in einem Dar (Palast) aus dem 17. Jahrhundert in der Medina von Tunis: https://www.darbengacem.com/dar-ben-gacem-kahia/

Boutiquehotel in Sidi Bou Saïd: https://www.lavillableuesidibousaid.com/

Geheimtipp ab Herbst 2020: Neues Hotel inmitten einer Oase in der Wüste „The Residence Douz“: www.cenizaro.com/theresidence

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Hotel Villa Bleue Sidi Bou Said
Foto: Caro Strasnik


Restaurants, Kaffeehäuser und Bars

 

Bestes Restaurant in Sidi Bou Saïd: https://www.lavillableuesidibousaid.com/

Schönstes Kaffeehaus in Sidi Bou Saïd: https://www.facebook.com/CafeDesNattes/

Stimmungsvolle Bar/Restaurant und Afterwork-Treff an der Hauptstraße zwischen Tunis und La Mars: https://www.facebook.com/letriplextunis 

Traditionelles Kaffeehaus in La Marsa: https://www.facebook.com/le.safsaf

360°-Blick-Bar in La Marsa: http://www.darelmarsa.com/site/en/dar-el-marsa-5-stars-hotel-bars-and-tea-shops-360-deg.42.html

Rooftopbar in der Medina von Tunis: https://www.dareljeld.com/en/restaurants

Pool-Bar und Restaurant für die junge Haute-Volée in Gammarth: http://www.billionaire-gammarth.com/

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Café des Nattes
Foto: Pixabay

Paläste, Kulturstätten und Museen

 

Kulturjuwel in Sidi Bou Saïd: Palast des Malers und Musikliebhabers Baron Rodolphe d´Erlanger „Ennejma Ezzahra“: http://www.ennejmaezzahra-tunisie.org/en

Ausgrabungsstätte Antoninus-Pius-Thermen in Karthago und Dougga: Überreste einer antiken Stadt, https://www.discovertunisia.com/de/tunesien-kultur/

Sehenswertes Nationalmuseum von Bardo: Weltweit bedeutendste Sammlung römischer Mosaikkunst, http://www.bardomuseum.tn/

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Palast Ennejma Ezzahra Sidi Bou Said
Foto: Caro Strasnik

Basare, Shops und Märkte

 

Medina von Tunis – ältester Souk in Tunesien: https://www.discovertunisia.com/de/medias/souk-medina

Schmuck in Tunis: „Souk El Berka“, https://en.wikipedia.org/wiki/Souk_El_Berka

Fashion „Lyoum“ ­Prêt-à-porter made in Méditerranée in La Marsa: https://lyoum.fr/en/

Orientalische Gewürze und Kräuter: Markthalle in La Marsa Traditionelle „Foutas“ aus Baumwolle (Tisch-, Strand-, Badetücher): in kleinen Geschäften rund um die Markthalle.

Keramik am Straßenmarkt am Fuße des „Café Nattes“ in Sidi ­Bou  Saïd.

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Medina in Tunis
Foto: Caro Strasnik

 

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