OUT OF TIME

Die vielen Wunder von

La Gomera

Ursprünglich, charmant, besonders vielfältig und einsam: Das „Hawaii von Europa“ wartet in kurzer Flugdistanz und birgt genug Möglichkeiten, um hier mindestens ein Jahr zu verbringen. So lange war zwar leider keiner meiner Aufenthalte, aber schön wär’s.

von: Regina Dvorak

Meine erste unmittelbare Berührung mit La Gomera fand am Wiener Flughafen statt und sollte gleich Sinnbild werden: Im Zeitschriften-Shop, auf einem durchaus überschaubaren Ständer, gab es – nebst den Führern zu herkömmlicheren Reisezielen – gleich mehrere Reisebücher zu dieser kleinen, feinen und eher unbekannten Destination La Gomera. Jetzt, nachdem ich einige Male dort gewesen bin, weiß ich, warum das so ist: Weil La Gomera so viel kann. Weil es fahrlässig wäre, La Gomera zu besuchen, ohne alle Optionen und Hintergründe dazu zu kennen, weil es fahrlässig wäre, auch nur ein Detail daran auszulassen. Das dürfte auch der Einkäufer des Zeitschriften-Shops wissen.

Weil Sie vielleicht selbst noch nicht auf dieser zweitkleinsten der Kanarischen Inseln waren, gehören die wichtigsten Details zuerst einmal zusammengefasst:
» wandern (dafür sind die meisten Urlauber, aber dennoch nicht viele, da; eine der wunderbarsten Möglichkeiten, diese Insel zu genießen)
» schwimmen (schöner und ursprünglicher geht’s echt nicht leicht)
» entdecken (dabei fühlt man sich ähnlich Dr. Livingstone oder dem kleinen Prinzen – schon ob der geringen Größe und erstaunlichen Vielfalt der Insel)
» Einsamkeit erleben (ein unpatriotischerer Gabriel García Márquez hätte „100 Jahre Einsamkeit“ auch hier ansiedeln können)
» Naturnähe (ein nichtssagender Ausdruck, der hier mit jeder Minute an Inhalt gewinnt)
» vor allem – und in all diesen Details: relaxen (dafür kann man innerhalb Europas in dieser Qualität wohl nur hierher kommen)

Alles, was man an individuellen, vielfältigen und entspannenden Möglichkeiten relativ nahe an Europa sucht, findet man hier. Und alles, was man hier macht und erlebt, wird automatisch zu einem Wunder.

Das ehemalige Fischerdorf Playa de Santiago liegt im Mündungsdelta schöner Schluchten und ist ob der Lage im Süden ganzjähriger feiner Badespot.

DIE SPRACHLOSIGKEIT

Man kann bei dem Versuch, die unglaubliche Schönheit und Vielfalt der Insel in Worte zu fassen, nur kläglich scheitern, weil einfach die Worte dafür fehlen. Deswegen wäre es vielleicht klüger, die Gefühle zu beschreiben, die einen vom Aussteigen aus der Fähre von Teneriffa über das Ankommen im Wunderland des Hotelgartens, beim Schwimmen im Meer und beim Entdecken der Insel überkommen. Tief Luft holen, das ist das Erste, das einem dazu einfällt. Tief Luft holen, staunen und genießen. Hoffen, dass man sich noch viele Jahre an diese magischen Momente erinnert. Hoffen, dass sich die Bilder, wieder zu Hause, im Kopf nochmals abrufen lassen, dass sich die Momente im Alltag wieder zurückholen lassen, um ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Dankbar sein, dass man so etwas Schönes und Ursprüngliches einmal gesehen hat und erleben durfte.

DIE BOTANIK

Die eindrucksvollste Erinnerung, die man von hier mitnimmt, gilt der Vielfalt. Hinter jeder Ecke der Insel, selbst hinter jeder Ecke jedes Hotels, eröffnen sich neue Ausblicke und neue Eindrücke. Im Hotel La Jardin Tecina zum Beispiel gelten diese vor allem der unglaublichen botanischen Vielfalt und der unvergleichlichen Aussicht. Auf der großen Klippe nach Süden, mitten im Atlantik, auf der die großzügige Hotelanlage liegt, sprießt der 70.000 Quadratmeter große, gepflegte subtropische Garten. Unzählige Pflanzenarten, von denen sich viele zum Frühstück, Lunch und Dinner auf dem Teller finden, wachsen und blühen hier. Im Hotel werden regelmäßig botanische Rundgänge angeboten, die die unglaubliche Vielfalt des Gartens in einer „botanischen Weltreise“ erklären – davon kann man nur hingerissen sein. Die sympathischen Bungalows sind clever in die Terrassenlandschaft gebaut und geben von jedem Fenster aus den Blick auf den weiten Atlantik frei.

Die Hauptstadt San Sebastián bietet sich perfekt für den einzig möglichen Stadtbummel in La Gomera an. Der Besuch der Kirche ist dabei ein Muss.

Ein entspannter Barraquito am Lavastrand von Playa de Santiago nach einer Runde Schwimmen im Meer ist durch fast nichts zu überbieten.

DIE FREIHEIT

Jede Minute fühlt man unmittelbare Freiheit. Beim Schwimmen im Meer, direkt an den absolut naturbelassenen Stränden, aber auch überall sonst. Schwarze Steine und die zerklüfteten Küstenlandschaften rund um die ursprünglichen Buchten, die (verträglich abgeschwächte) Brandung und nichts, was an kilometerlange Sonnenschirmalleen, Algen, Seeigel oder ähnlich gewohntes Strandambiente erinnert, geben das Gefühl, als befände man sich in einem Abenteuer-film, nur sicherer. Vor allem, weil hier – und das gilt für viele Strände der Insel – im Morgengrauen die Delfinschulen beim Spielen beobachtet werden können. Das Beste an diversen Hotel-Stränden: Sobald man aus dem Meer kommt, kann man das Abenteuer-Feeling ablegen und sich 10 Meter weiter in aller Ruhe in Beach Clubs in balinesischen Relaxbetten neben geheizten Meerwasserpools und Barbecue-Restaurants dem absoluten Luxus hingeben. Das ist auf La Gomera bei Weitem keine Seltenheit. Das Preis-Leistungs-Verhältnis der meisten wunderschönen Hotels bietet sich an, um den Aufenthalt etwas luxuriöser zu gestalten als sonst eventuell üblich. Auch das ist eine große und sehr feine Freiheit.

DIE GEOGRAFIE

Offenbar spielt hier ein ganz besonderes Zeitgefühl mit. Genau dieses „Außerhalb-der-Zeit-Sein“ kommt nicht nur beim Schwimmen vor den Klippen zum Tragen, sondern auch, wenn man sich die Freiheit nimmt, die Insel zu Fuß, per Bike oder mit dem Auto zu erforschen. Insgesamt nur 25 Kilo-meter Durchmesser, aber knapp 1500 Meter hoch und fast gänzlich Nationalpark und UNESCO-Weltkulturerbe ist die Insel. Hier wartet hinter jeder Kurve (und deren gibt es wirklich viele) eine komplett neue Welt.

Von innen nach außen: Durch die Senken im Zentrum der Insel entstand im subtropischen Klima ein unberührter Urwald, der seinesgleichen sucht mit Schluchten, Bächen, riesigen Bäumen und einer Pflanzen- und Tiervielfalt, die auf engstem Raum den Atem rauben. „Garajonay“, wie der 4000 Hektar große Nationalpark genannt wird, ist häufig in Nebel gehüllt und wirkt absolut magisch. Er wird als „Lorbeerwald“ bezeichnet, weil die meisten der Baumarten lorbeerähnliche Blätter haben. Neben dem Garajonay gibt es weitere 16 geschützte Gebiete mit einer Gesamtfläche von 12.450 Hektar auf der Insel. Je weiter man sich vom Zentrum entfernt, desto zerklüfteter und rauer wird die Landschaft. Vulkanischen Ursprungs, vom Meer ange-geknabbert, teils in Terrassen kultiviert und überall von malerischen Schluchten und aufregenden Felsformationen durchzogen, zeigt die Insel hier ihr noch ursprünglicheres Gesicht. Dennoch findet man hinter jeder Biegung den Abstieg zu romantischen Buchten, palmengesäumten Wegen, entzückenden Restaurants und auch Aussichtspunkten wie dem berühmten neuen Mirador de Abrante.

Durchatmen, abhängen, genießen. Gerade abends wirkt die Welt auf La Gomera ein ganzes Stück größer als fast überall anders.

OUT OF TIME

Sie können sich also vorstellen, dass das Abhängen in schönen Hotels zwar wunderbar ist, aber angesichts all der weiteren Optionen dann doch für ein bisschen ungeduldiges Kribbeln sorgt – und das nicht nur bei Wander- und Bikefans, sondern auch bei Wasserenthusiasten aller Art. Fast alle Hotels bieten Tauchausflüge, Kajaktouren, Walbeobachtung und Marlinfischen an.
All diese Kontraste – und vor allem die allumfassende Ruhe, die man hier erleben kann – machen die Insel zu einer unvergleichlichen Oase. Ursprünglich und dennoch luxuriös, urig und dennoch eindrucksvoll. Freundlich und warmherzig werden alle Gäste empfangen, und überlaufen ist hier gar nichts. La Gomera ist auch geografisch nicht aus der Welt, das „Hawaii von Europa“ ist in etwas mehr als einer Stunde vom Flughafen Teneriffa aus zu erreichen. Anreisetechnisch ist dieses Paradies also nicht „out of time“, aber in allen anderen Bereichen durchaus.

Tipps La Gomera

MOBILITÄT

Die Anreise nach La Gomera erfolgt am besten per Flug nach Teneriffa Süd und mit der Fähre nach La Gomera. Es empfiehlt sich, die Flugzeiten den Fährzeiten anzupassen. Es gibt auch gute Anbieter, die Transfers vom Flughafen Teneriffa bis zum Hotel auf La Gomera anbieten. Mietautos sind günstig zu bekommen (Preise vergleichen!) und es zahlt sich wirklich aus, auf der Insel mobil zu sein. Shuttle-Anbieter: z. B. autobusesmesa.es Mietauto: z. B. cicar.com

Pittoresker Anblick: Roque de Agando

WANDERN

Eine Wanderkarte ist sinnvoll, die Wege sind allerdings meist gut beschildert. Natürlich stehen auch tolle Führer zur Verfügung, die allerlei Interessantes zu berichten wissen. Allein durch den Nationalpark Garanjanov mit seinen rund 4.000 Hektar führen gut 80 Wanderwege. Der meistbegangene Wanderweg führt durch den verwunschenen Märchenwald El Cedro. Lorbeer, Farne und Moos, Vögel und das Gefühl absoluter Einsamkeit – für den kompletten Rundweg von Hermigua über San Juan nach El Cedro müssen etwa 8 Stunden eingeplant werden. Führer/Gepäcktransport: z. B. timah.net

Der Märchenwald: El Cedro

WASSER

Neben allerlei Wassersportarten, Glasbooten u. Ä. können in La Gomera Wale und Delfine beobachtet werden wie sonst kaum wo in Europa. 23 verschiedene Wal- und Delfinarten wurden seit 1959 gesichtet. Whale-Watching-Touren am besten über Oceano buchen, die gemeinsam mit dem Verein Meer e. V. die Bootsausfahrten zum Sammeln von Daten über Delfine und Wale nutzen. Viele andere Anbieter sind dezidiert nicht zu empfehlen. Alle Informationen dazu werden in der zugehörigen Ausstellung unterhalb des Büros von Oceano ausgestellt. Vor der Tour anmelden, gefahren wird 2× täglich (ca. 3–4 Stunden) mit kleinen Fischerbooten.
whalewatching-gomera.com
m-e-e-r.de/delfine-erleben/la-gomera

Ein echtes Must: Whale-watching

AUSBLICKE

Mirador de Abrante: Schon nach Vallehermoso zu fahren, ist höchst spektakulär. Der Aussichtspunkt mit der Kombination aus roter Erde, Blick auf den Pico del Teide und gläsernem Skywalk über der Steilküste ist fantastisch.
Parque Rural: Perfekte Sicht über Valle Gran Rey
La Fortaleza de Chipuda: Blick über den schönsten Tafelberg Mirador de El Rejo: Ausblick auf das Tal Hermigua zwischen hohen Bergketten
Mirador del Sando: Beste Aussicht in La Gomera von der großen Terrasse auf das Dorf Taguluche und die gleichnamige Schlucht

Atemberaubend: Mirador de Abrante

STRÄNDE

Grundsätzlich gibt es in La Gomera perfekte Strände wie Sand am Meer. Einer ist hübscher als der andere, viele über kleine Wege erreichbar, und es empfiehlt sich wirklich, einige davon zu besuchen. Ein paar besonders empfehlenswerte: La Cantera: In der Nähe von Alajeró über einen Pfad oder per Boot zu erreichen, komplett unberührt und mit moderaten Wellen. Sehr romantisch. La Negra: Ebenfalls bei Alajeró, zu Fuß vom Strand von La Rajita erreichbar. Sagenhaft schön! La Caleta: Perfekter Schwimmstrand bei Hermigua

Perfekt abhängen: Playa Valle Gran Rey

HOTELS

Es gibt nicht sonderlich viele Hotels auf La Gomera. Meistens nächtigt man in Apartments oder Ferienhäusern, dennoch gibt es einige wunderbare Optionen für den Aufenthalt: Jardin Tecina: Das Hotel meiner Wahl im Süden. Zwar relativ touristisch, aber dennoch sehr nett und angenehm abgelegen. Mit botanischem Garten, Aufzug zum Strand und Beachbar, feinem lokalem und internationalem Essen, perfekter Aussicht und Golfplatz dabei. jardin-tecina.com
Parador de la Gomera: Das zweite Tophotel der Insel, ganz im Osten. Liebevoll mit viel kanarischem Charme direkt in San Sebastian mit allen Vorteilen des Ortes, u. a. wunderbaren Restaurants. Das Essen ist großartig, das Hotelangebot und die Aussicht ebenfalls. parador.es
Apartments Los Telares: Im Herzen des Hermigua-Tals mit allem, was das Herz begehrt, obwohl der Strand weit weg ist. Extrem ruhig gelegen, mit Pool und wunderbarem Frühstück. Die perfekte Ausgangsbasis für Trips in den Nationalpark und den Norden der Insel. lagomera.apartments
Las Casas del Chorro: Die abgelegene idyllische Finca mit fünf Ferienhäuschen für bis zu vier Personen liegt wunderbar und vermittelt heimisches Ambiente. Die Aussicht ist sagenhaft und es gibt kaum ein Plätzchen auf La Gomera, wo man so perfekt abschalten kann. Frühstück, Abendessen, Massagen und einiges mehr können zugebucht werden, das Visitor Center des Nationalparks ist in unmittelbarer Nähe. lascasasdelchorro.es

Ein Kleinod: Hotel Jardin Tecina

BESONDERHEITEN

Agulo: Die kleinste Gemeinde, verträumt, mit schmalen Gassen und alten Häusern. Tipps: Botanischer Garten mit Besucherzentrum Juego de Bolas, Restaurant La Vieja Escuela. Hermigua: Extrem ursprünglich und traumhaft gelegene Apartments. La Calera: Eines der schönsten Dörfer, bunte Fassaden, schmale Gassen, direkt in den Berg gebaut. Valle Gran Rey: Der beliebteste Ferienort in La Gomera. Das wunderschöne Tal zieht sich von den steilen Berghängen bis runter zum Meer inklusive Badebuchten, warmem Klima und allem, was man so braucht.
Cocktails: facebook.com/pages/Valle-Gran-Rey-Cacatua-Bar
Frühstück: facebook.com/NoahsArkgomera Quelle Chorros de Epina: Für ewige Liebe oder Kinderwünsche
Palmhonigmuseum: Sozialprojekt, Palm-, Traditions-, Anekdoten-und Heimatmuseum gleichzeitig, wirklich sensationell! facebook. com/Casa-de-la-Miel-de-Palma-Centro-Interpretaci
Gofio Amasado: Probieren! Süßer Brotteig mit Palmhonig und Mandeln in Kuchenform. Barraquito: Ja nicht versäumen! Typischer Kaffee mit gesüßter Milch, Marillenlikör, Espresso, geschäumter Milch und Zimt in Schichten.
El Silbo: Die typische Pfeifsprache der Insel, die als Weltkulturerbe gilt. Ein Teil der Inselbevölkerung spricht sie noch, und die Gomeros, die diese Sprache beherrschen, werden immer mehr. Danach fragen und zuhören!

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