Weniger ist mehr

Weniger ist mehr

Reportage

Weniger ist mehr!

Linda Sekoll ist Textilianerin mit Leib und Seele und brennt für die Dynamik und Kreativität der Branche.
Ihr persönlicher Werdegang begann mit einem Besuch der Modeschule Herbststraße.

Fotos: Jelena Fleck, Ina Aydogan

Sie war tätig in der Produktion, als Einkäuferin, als Führungskraft auf der Verkaufsfläche und zuletzt im Bereich Human Resources als Ausbildnerin und Trainerin für Mitarbeiter im Textilhandel. Mit diesem Spektrum an Erfahrungen hat sie sich 2012 als Garderobenplanerin selbstständig gemacht. Ihren Firmensitz hat Linda ­Sekoll als eine der Co-Worker/innen im Atelier für Mode und Design schnittBOGEN aufgeschlagen. Sie ist Styling-­Coach für Privatpersonen, kreiert und fertigt Corporate Fashion für Firmenkunden und ist nach wie vor als Trainerin für Führungskräfte im Textilhandel tätig.

 

 

Weniger ist mehr. Das ist laut Styling-Coach Linda Sekoll der wahrscheinlich wichtigste Grundsatz auf dem Weg zur nachhaltigen Garderobe.

Linda Sekoll möchte in ihrer Beratung dafür sensibilisieren, Kleidung nach ganz bestimmten Kriterien auszuwählen, anstatt einfach mit der Carte blanche loszuziehen, um nach Lust und Laune wahllos zu shoppen.
Es geht ihr viel mehr um eine bedarfsorientierte Planung und Anschaffung einer Garderobe, die Persönlichkeit und Lifestyle ideal bedient und sich im Vorfeld mit der Beantwortung folgender Fragen auseinandersetzt:

Wer möchte ich sein und wie kann ich das stilvoll darstellen?

Welche Basics besitze ich bereits, was fehlt?

Wofür setze ich mein Budget sinnvoll und nachhaltig ein?

Ihre Beratung ist in jedem Fall eine sinnvolle Investition, denn es gibt – wie sie betont – einen weltweiten Konsens darüber, den Körper im öffentlichen Raum bedeckt zu halten und sich entsprechend zu kleiden. Daraus ergibt sich, dass sich jeder Mensch mit dem Thema Bekleidung in irgendeiner Form auseinandersetzen muss. Der Anspruch auf persönlichen Stil und einen gewissen Wiedererkennungswert geht laut ihrer Erfahrung aber mit einer gewissen Reife einher. Oft sind es Menschen auf dem Sprung zur beruflichen Karriere oder sie wünschen, ihre Persönlichkeit in einem neuen Licht sichtbar zu machen. Viele suchen auch eine Alternative zu dem schon angesprochenen unreflektierten Kaufrausch, den der Textilhandel durch ständig neue Kollektionen suggeriert.

Der erste und wichtigste Schritt in Linda Sekolls Beratung ist das persönliche Gespräch mit den Kundinnen und Kunden. Das Ziel ist, die Persönlichkeit und den entsprechenden Lebensstil kennenzulernen und herauszufinden, wo die Reise hingehen soll. Es gibt kein vorgefertigtes Konzept, das einfach übergestülpt wird. Die klassische Farb- und Stilberatung, die bei solchen Gelegenheiten im Regelfall zur Anwendung kommt, ist ein rotes Tuch für sie. Statt in Schubladen zu denken, werden Wünsche und Ziele ihrer Kundinnen und Kunden auf den Punkt gebracht. Es geht darum, individuelle Möglichkeiten der Umsetzung aufzuzeigen und diese professionell zu unterstützen und anzuleiten.

Ein wichtiger und unerlässlicher Meilenstein auf dem Weg zur nachhaltigen Garderobenplanung ist ein Hausbesuch mit dem Hintergrund, den Inhalt des Kleiderschrankes zu sichten. Eine dringende Vorgabe dabei ist, diesen auf keinen Fall für den Besuch zu ordnen – Linda Sekoll muss unbedingt einen Eindruck bekommen, wie sich die Situation für ihre Kunden im Bekleidungsalltag darstellt. „Je unordentlicher, desto besser“, meint sie und lacht dabei, denn der Effekt ihres Besuches wird so besser sichtbar.Danach wird es anstrengend: Jedes einzelne Teil im Schrank wird hinausgelegt und anprobiert. Es wird gemeinsam sehr offen und ehrlich der gesamte Bestand gesichtet und bewertet – eine Aktion, die mehrere Stunden dauert und sehr viel Vertrauen und aktive Mitarbeit der Kundin oder des Kunden voraussetzt. Alle Teile, die für gut befunden wurden und bleiben dürfen, werden danach 

wieder nach allen Regeln der Kunst des Visual Merchandising im Schrank verstaut. 

Wer morgens den Kleiderschrank öffnet und übersichtlich nach Farben und Formen getrennte Produktgruppen vorfindet, hat einen klaren Startvorteil in den Tag.

Dieser Prozess ist, wie Linda Sekoll sagt, schon die halbe Miete auf dem Weg zu einer sinnvoll gestalteten Garderobe. Der Effekt zeigt sich in mehr Platz, Luft und Übersicht im Kleiderschrank. Bevor nun neue Kleidung angeschafft wird, entwickelt Linda Sekoll gemeinsam mit ihrer Kundin oder ihrem Kunden ein Planungskonzept. Als Grundlage arbeitet sie hier bevorzugt mit einem Moodboard.

LIKE IT sprach mit Stylingcoach Linda Sekoll über ihr wichtigstes Tool zur kreativen Konzeption einer Garderobenplanung, das Moodboard.

Was genau bedeutet der Begriff „Moodboard“?

„Mood“ kommt aus dem Englischen und bedeutet „Stimmung“ – es wird auch Inspirationsboard genannt.

Moodboards können für ganz verschiedene kreative Aufgaben eingesetzt werden, etwa wenn es um die Einrichtung von Räumen geht, im Webdesign oder eben in der Garderobenplanung. Es gibt unendlich viele Anwendungsmöglichkeiten in allen kreativen Disziplinen.

 

Linda Sekoll möchte in ihrer Beratung dafür sensibilisieren, Kleidung nach ganz bestimmten Kriterien auszuwählen, anstatt einfach mit der Carte blanche loszuziehen, um nach Lust und Laune wahllos zu shoppen. Es geht ihr viel mehr um eine bedarfsorientierte Planung und Anschaffung einer Garderobe, die Persönlichkeit und Lifestyle ideal bedient und sich im Vorfeld mit der Beantwortung folgender Fragen auseinandersetzt:

Wer möchte ich sein und wie kann ich das stilvoll darstellen?

Welche Basics besitze ich bereits, was fehlt?

Wofür setze ich mein Budget sinnvoll und nachhaltig ein?

Ihre Beratung ist in jedem Fall eine sinnvolle Investition, denn es gibt – wie sie betont – einen weltweiten Konsens darüber, den Körper im öffentlichen Raum bedeckt zu halten und sich entsprechend zu kleiden. Daraus ergibt sich, dass sich jeder Mensch mit dem Thema Bekleidung in irgendeiner Form auseinandersetzen muss. Der Anspruch auf persönlichen Stil und einen gewissen Wiedererkennungswert geht laut ihrer Erfahrung aber mit einer gewissen Reife einher. Oft sind es Menschen auf dem Sprung zur beruflichen Karriere oder sie wünschen, ihre Persönlichkeit in einem neuen Licht sichtbar zu machen. Viele suchen auch eine Alternative zu dem schon angesprochenen unreflektierten Kaufrausch, den der Textilhandel durch ständig neue Kollektionen suggeriert. 

Der erste und wichtigste Schritt in Linda Sekolls Beratung ist das persönliche Gespräch mit den Kundinnen und Kunden. Das Ziel ist, die Persönlichkeit und den entsprechenden Lebensstil kennenzulernen und herauszufinden, wo die Reise hingehen soll. Es gibt kein vorgefertigtes Konzept, das einfach übergestülpt wird. Die klassische Farb- und Stilberatung, die bei solchen Gelegenheiten im Regelfall zur Anwendung kommt, ist ein rotes Tuch für sie. Statt in Schubladen zu denken, werden Wünsche und Ziele ihrer Kundinnen und Kunden auf den Punkt gebracht. Es geht darum, individuelle Möglichkeiten der Umsetzung aufzuzeigen und diese professionell zu unterstützen und anzuleiten.

Ein wichtiger und unerlässlicher Meilenstein auf dem Weg zur nachhaltigen Garderobenplanung ist ein Hausbesuch mit dem Hintergrund, den Inhalt des Kleiderschrankes zu sichten. Eine dringende Vorgabe dabei ist, diesen auf keinen Fall für den Besuch zu ordnen – Linda Sekoll muss unbedingt einen Eindruck bekommen, wie sich die Situation für ihre Kunden im Bekleidungsalltag darstellt. „Je unordentlicher, desto besser“, meint sie und lacht dabei, denn der Effekt ihres Besuches wird so besser sichtbar.Danach wird es anstrengend: Jedes einzelne Teil im Schrank wird hinausgelegt und anprobiert. Es wird gemeinsam sehr offen und ehrlich der gesamte Bestand gesichtet und bewertet – eine Aktion, die mehrere Stunden dauert und sehr viel Vertrauen und aktive Mitarbeit der Kundin oder des Kunden voraussetzt. Alle Teile, die für gut befunden wurden und bleiben dürfen, werden danach wieder nach allen Regeln der Kunst des Visual Merchandising im Schrank verstaut. 

Wer morgens den Kleiderschrank öffnet und übersichtlich nach Farben und Formen getrennte Produktgruppen vorfindet, hat einen klaren Startvorteil in den Tag.

Dieser Prozess ist, wie Linda Sekoll sagt, schon die halbe Miete auf dem Weg zu einer sinnvoll gestalteten Garderobe. Der Effekt zeigt sich in mehr Platz, Luft und Übersicht im Kleiderschrank. Bevor nun neue Kleidung angeschafft wird, entwickelt Linda Sekoll gemeinsam mit ihrer Kundin oder ihrem Kunden ein Planungskonzept. Als Grundlage arbeitet sie hier bevorzugt mit einem Moodboard.

LIKE IT sprach mit Stylingcoach Linda Sekoll über ihr wichtigstes Tool zur kreativen Konzeption einer Garderobenplanung, das Moodboard.

Was genau bedeutet der Begriff „Moodboard“?

„Mood“ kommt aus dem Englischen und bedeutet „Stimmung“ – es wird auch Inspirationsboard genannt.

Moodboards können für ganz verschiedene kreative Aufgaben eingesetzt werden, etwa wenn es um die Einrichtung von Räumen geht, im Webdesign oder eben in der Garderobenplanung. Es gibt unendlich viele Anwendungsmöglichkeiten in allen kreativen Disziplinen.

Im Prinzip ist ein Moodboard eine Collage, die aus Bildern, Materialien oder auch Objekten besteht und dem eigentlichen Design-­Prozess vorangeht. Ein Moodboard kann zeitraubende Entwürfe am Computer ersetzen und damit Zeit und Geld sparen. Der Charme entsteht gerade durch den dahingeworfenen Charakter.

Ich persönlich gestalte meine Collagen aus Bildern, die ich zurechtschneide und aufklebe – am liebsten auf Karton oder extra starkem Papier. Die so entstandenen Boards lassen sich leicht transportieren und eignen sich perfekt zur Präsentation vor dem Kunden.

Mögliche Ressourcen sind alle zur Verfügung stehenden Medien – Bücher, Zeitungen, Zeitschriften, das Internet, Fotos etc. Die ausgewählten Bilder sollen die persönliche Ästhetik aufzeigen – Farben, Formen, Materialien, Proportionen, Persönlichkeiten, Stilikonen usw. Alles, was uns auf den ersten Blick optisch anspringt, soll lose und ungefiltert zusammengetragen werden. Diese Bilder sind die Grundlage für das Moodboard, das ich später für meine Kunden zusammenstelle, um den roten Faden ihrer Garderobenplanung zu visualisieren.

Gestalten Ihre Kundinnen und Kunden ihr Moodboard selbst?

Nein – zu Beginn übernehme ich diesen Prozess. Das ist ein wichtiger Teil der Beratung, denn Ungeübte brauchen genau diese neutrale Perspektive. Sie bekommen allerdings die Aufgabe, ihre Bilder selbst zu suchen. Ich filtere dann gesammelte Werke für sie und gestalte den berühmten roten Faden daraus. Es können auch mehrere Moods entstehen, z. B. für unterschiedliche Einsatzbereiche wie Business, Freizeit, Anlass und Sport oder für unterschiedliche Produktgruppen wie Oberteile, Hosen, Mäntel.

Was geschieht nun mit diesen Kunstwerken?

Ich empfehle, sie sichtbar zur installieren, z. B. auf einer Pinnwand in der Nähe des Kleiderschrankes. In erster Linie dient das Board als Grundlage für die Einkaufsplanung. Unter Berücksichtigung des Bestands im Kleiderschrank wird nun entschieden, was auf die Einkaufsliste muss, um den angestrebten Stil umsetzen zu können. Die Alternative zum Bekleidungskauf wäre der Weg zum Schneider oder die „Do-it- yourself“-Methode.

Es gibt dann also eine richtige Bedarfsliste – ähnlich einer Einkaufsliste für den Supermarkt?

Genau – und das ist mir besonders wichtig, zu betonen. Nach einer Garderobenplanungs-Beratung wird nicht mehr wahllos geshoppt, sondern ganz gezielt der ermittelte Bedarf gedeckt und reflektiert eingekauft.

Ihr Office befindet sich im schnittBOGEN – wird Ihre Beratung dadurch beeinflusst?

Ja, selbstverständlich! Ich bin seit meiner Kindheit konfrontiert mit selbst ­gemachten Kleidern – Oma und Mama waren gelernte Schneiderinnen. Nach so vielen Jahren im Textilhandel hat mir der Einzug in den schnittBOGEN diese kreative Welt wieder eröffnet und mich dazu inspiriert, auch meine Kundinnen und Kunden ans Schneidern heran­zuführen.

Maßanfertigung oder „Do it yourself“ ist die perfekte Alternative zum Shoppen.

 

 

Im Prinzip ist ein Moodboard eine Collage, die aus Bildern, Materialien oder auch Objekten besteht und dem eigentlichen Design-­Prozess vorangeht. Ein Moodboard kann zeitraubende Entwürfe am Computer ersetzen und damit Zeit und Geld sparen. Der Charme entsteht gerade durch den dahingeworfenen Charakter.

Ich persönlich gestalte meine Collagen aus Bildern, die ich zurechtschneide und aufklebe – am liebsten auf Karton oder extra starkem Papier. Die so entstandenen Boards lassen sich leicht transportieren und eignen sich perfekt zur Präsentation vor dem Kunden.

Mögliche Ressourcen sind alle zur Verfügung stehenden Medien – Bücher, Zeitungen, Zeitschriften, das Internet, Fotos etc. Die ausgewählten Bilder sollen die persönliche Ästhetik aufzeigen – Farben, Formen, Materialien, Proportionen, Persönlichkeiten, Stilikonen usw. Alles, was uns auf den ersten Blick optisch anspringt, soll lose und ungefiltert zusammengetragen werden. Diese Bilder sind die Grundlage für das Moodboard, das ich später für meine Kunden zusammenstelle, um den roten Faden ihrer Garderobenplanung zu visualisieren.

Gestalten Ihre Kundinnen und Kunden ihr Moodboard selbst?

Nein – zu Beginn übernehme ich diesen Prozess. Das ist ein wichtiger Teil der Beratung, denn Ungeübte brauchen genau diese neutrale Perspektive. Sie bekommen allerdings die Aufgabe, ihre Bilder selbst zu suchen. Ich filtere dann gesammelte Werke für sie und gestalte den berühmten roten Faden daraus. Es können auch mehrere Moods entstehen, z. B. für unterschiedliche Einsatzbereiche wie Business, Freizeit, Anlass und Sport oder für unterschiedliche Produktgruppen wie Oberteile, Hosen, Mäntel.

Was geschieht nun mit diesen Kunstwerken?

Ich empfehle, sie sichtbar zur installieren, z. B. auf einer Pinnwand in der Nähe des Kleiderschrankes. In erster Linie dient das Board als Grundlage für die Einkaufsplanung. Unter Berücksichtigung des Bestands im Kleiderschrank wird nun entschieden, was auf die Einkaufsliste muss, um den angestrebten Stil umsetzen zu können. Die Alternative zum Bekleidungskauf wäre der Weg zum Schneider oder die „Do-it- yourself“-Methode.

Es gibt dann also eine richtige Bedarfsliste – ähnlich einer Einkaufsliste für den Supermarkt?

Genau – und das ist mir besonders wichtig, zu betonen. Nach einer Garderobenplanungs-Beratung wird nicht mehr wahllos geshoppt, sondern ganz gezielt der ermittelte Bedarf gedeckt und reflektiert eingekauft.

Ihr Office befindet sich im schnittBOGEN – wird Ihre Beratung dadurch beeinflusst?

Ja, selbstverständlich! Ich bin seit meiner Kindheit konfrontiert mit selbst ­gemachten Kleidern – Oma und Mama waren gelernte Schneiderinnen. Nach so vielen Jahren im Textilhandel hat mir der Einzug in den schnittBOGEN diese kreative Welt wieder eröffnet und mich dazu inspiriert, auch meine Kundinnen und Kunden ans Schneidern heran­zuführen.

Maßanfertigung oder „Do it yourself“ ist die perfekte Alternative zum Shoppen.

Infos unter: www.lindsekoll.at

www.garderobenplanung.at

Wo Design auf Coworking trifft

Wo Design auf Coworking trifft

Reportage

Wo Design auf Co-Working trifft

LIKE IT zu Besuch im schnittBOGEN –

Wiens erster und bisher einziger Prototypenwerkstatt für Mode und Design

Fotos: Jelena Fleck, Ina Aydogan

D ie 200 m2 großen Räumlichkeiten des schnittBOGENS liegen gleich neben der Wiener U-Bahnstation Gumpendorferstraße in den denkmalgeschützten Stadtbahnbögen von Wiens berühmtestem Architekten, Otto Wagner.

Wo vorher das Lager eines Friseur­bedarfhändlers war, hat Michaela Hudecova-Königshofer mit Hilfe ihres Mannes in monatelanger Arbeit entrümpelt, rausgerissen, eingebaut, ausgemalt und Parkett verlegt. 2012 konnte sie ihr Herzensprojekt eröffnen: eine Atelierwerkstatt, in der Designer und Modemacher – und alle, die es erst werden möchten – die perfekte Infrastruktur vorfinden.

Der schnittBOGEN wird als Co-Working-Space geführt und eröffnet sowohl Profis als auch Anfängern Zugang zu Know-how, Beratung und dem erforderlichen Maschinenpark. Der Standort zählt nicht unbedingt zu den noblen ­Fashion-Adressen – ohne Unterbrechung brausen zahllose Autos vorbei und alle paar Minuten donnert die U-Bahn-Linie 6 über die Köpfe hinweg –, aber niemand hier scheint sich davon gestört zu fühlen. Gleich bei der Tür hinein, steht man faktisch mitten in der Gemeinschaftsküche, wo die Crew gemeinsam zu essen pflegt und, wie man uns erzählt, auch Besprechungen und Meetings abgehalten werden.

LIKE IT sprach mit der­ aus der Slowakei stammenden schnittBOGEN-Gründerin Michaela Hudecova-Königshofer über ihre Erfahrungen mit dem Co-Working-Space seit der Eröffnung vor mittlerweile schon 6 Jahren.

Draußen mag es vielleicht laut, grau und schmutzig sein, aber betritt man das Gewölbe, vergisst man die Welt draußen und taucht ein in eine leicht chaotische, aber höchst inspirierende Atmosphäre. Die Infrastruktur, die wir vorfinden, ist beeindruckend und bietet professionellen Modemachern, aber auch Laien eine Vielzahl hochwertiger und moderner Industriemaschinen.

Wir sehen einen Plotter für computer­generierte Schnitte, eine Fixierpresse, Overlocks, verschiedene Ledernähmaschinen, eine Pelznähmaschine, eine Knopflochmaschine und auch eine Waschmaschine mit Färberaum. Diesen professionellen Maschinaenpark kann man gerne auch nur stundenweise mieten – natürlich mit vorheriger ­In­struktion und technischer Anleitung. Alle, die ein textiles Projekt umsetzen möchten und zu Hause nicht den Platz oder die passende Ausstattung haben, können den Maschinenpark gegen ­Anmeldung und Entgelt nützen. Der zweite Bogen ist als Co-Working-Space ausgestattet. 

Der Raum unterteilt sich in sechs unterschiedlich große Arbeitsplätze, die fix angemietet werden ­können. Auch dieser Bogen ist mit Bügelanlage, zwei großen Zuschneidetischen und Nähmaschinen ausgestattet.

 

Zur Zielgruppe des schnitt­BOGENS zählen einerseits etablierte Designer, die Mode gewerblich betreiben und eigene Kollektionen in Kleinserien auf den Markt bringen. Andererseits werden aber auch Menschen, die ohne den Hintergrund als Modedesigner mit der Idee für einen Prototypen bei der Tür hineinschneien, hier bis zur Serienreife bestens bedient. Zusätzlich bietet jeden Dienstag ab 18:30 Uhr Textilpädagoge Walter Lunzer seine Stitching Sessions im Haus an – ein Workshop für Laien, die ihre Nähprojekte unter Anleitung umsetzen wollen. Die Teilnehmer sind, wie man uns erzählt, hellauf begeistert über die professionellen Möglichkeiten, die sich hier bieten.
Wer im schnittBOGEN beraten werden möchte, sollte allerdings bereits ein Grundkonzept in der Tasche haben – das erleichtert die Umsetzung und verkürzt den Aufwand für alle Beteiligten. Prinzipiell kann aber schon im Stadium der Ideenfindung Beratung gebucht werden.

Hat sich das Co-Working-Konzept für den SchnittBOGEN bewährt?

Auf jeden Fall! Es ist großartig – die ­optimale Form der Zusammenarbeit. Jeder macht sein Ding und trotzdem 

machen wir viele Projekte gemeinsam. Da entstehen spannende Geschichten. Es hat zwar einige Zeit gedauert, bis die Arbeitsplätze angenommen und fix vermietet wurden, aber heute sind wir meistens gut belegt. Es gibt schon immer wieder einen Wechsel der Mieter, doch hat sich in den vergangenen Jahren auch eine fixe Crew etabliert und gut eingespielt. Das bunte Miteinander und die Synergien, die sich daraus ­ergeben, möchte keiner von uns mehr missen.

Nach welchen Kriterien suchen Sie die Co-Worker aus?

Am spannendsten für die Arbeits­gemeinschaft ist natürlich, wenn wir das Angebot für unsere Kunden erweitern können – optimal also, wenn ein Handwerk oder eine Profession, die gut dazu passt, unser Portfolio ergänzen kann.
Wenn es ein Projekt zulässt, kooperieren wir oft und gerne. Die menschliche Komponente darf übrigens nicht außer Acht gelassen werden – wir haben nicht nur rein geschäftliche, sondern auch freundschaftliche Beziehungen. Das ­respektvolle Miteinander muss funktio­nieren und ist ein wichtiger Teil der ­Sache. So entsteht Spirit, der vieles möglich macht. Es geht um gemeinsam statt einsam – ein Motto, das in der ­Modeszene nicht selbstverständlich ist.

Wer zählt zur aktuellen Stammcrew im schnittBOGEN?

Von Beginn an dabei ist Goran Bugaric. Er bringt schnitt- und nähtechnisch höchstes Niveau in unsere Community.
Unsere von allen heiß geliebte serbische „Diva“ ist in seiner Profession als Designer und Meisterschneider mit dem ­Label BUGARIC www.bugaric.com unterwegs und für die ganz großen Roben im schnittBOGEN zuständig. Seit zwei Jahren bringt er sich zusätzlich als Lehrer in den Werkstättenklassen der ­Modeschule Michelbeuern ein.

Unser Korrektiv in Sachen Nachhaltigkeit ist die studierte Modejournalistin und Jungdesignerin Klara Neuber – unsere „Waldfee“. Ihr Label KLAR www.klaraneuber.at konzentriert sich auf Stoffe aus nachhaltiger, hauptsächlich österreichischer Produktion. Ihr Name ist Programm und steht für ein minimalistisches Designkonzept, das, wie sie sagt, „von Wien, Wald und Welt“ inspiriert ist. Nebenbei verkauft sie auch wunderschöne Hüte.

Linda Sekoll ist unser Styling Coach. Die Co’s haben ihr den Slogan „Stilvoll. Sinnvoll. Sekoll“ auf den Leib gedichtet. Sie ist unsere kompromisslose und ­unangepasste Stilverfechterin, die sich mit Nachdruck bemüht, mehr Ordnung und Organisation in unser charmantes Chaos zu bringen. Sie coacht Privatpersonen zum Thema Garderobenplanung, kreiert Corporate Fashion für Firmenkunden und trainiert Führungskräfte im Textilhandel.

 

Eine wichtige Mitarbeiterin an meiner Seite ist Julia Huber – unser Sonnenschein. Sie ist unsere Grafis-Computer-Schnittzeichnerin. Ohne Julia geht gar nichts in Sachen produktionsreife Schnitte. Ihre Expertise hat ihr – trotz der sehr jungen Jahre – schon einen Lehrvertrag an der Universität für Angewandte Kunst Wien verschafft. Nicht zu vergessen unsere beiden Lehrlinge: Michelle Schuster und Ajmal Afzali. Beide sind äußerst motiviert, sich zu entwickeln und von uns allen zu ­lernen. Sie sind nicht nur eine menschliche Bereicherung, sondern bereits eine großartige Unterstützung für das gesamte Team.

Wie gelingt es, diese unterschiedlichen Einzelkämpfer zu harmonisieren? Abgesehen vom täglichen Miteinander, das wir in Gesprächen untereinander reflektieren, ist es speziell die gemein­same Vorbereitung auf Großereignisse – wie Modenschauen, Verkaufs- oder Messeevents und größere Feste für Kunden, Freunde und Familien –, die uns nachhaltig zusammenschweißen. Alle helfen mit und bringen sich maximal ein, das funktioniert meist großartig. Weil aber der Druck und der Stress hier für alle Beteiligten oft sehr hoch ist und unter solchen Bedingungen dann angestaute Animositäten zutage kommen, braucht es eine gut funktionierende Streitkultur – das reinigt die Luft nachhaltig. Manchmal gelingt das aber auch nicht, da trennt sich dann die Spreu vom Weizen …

Das alles klingt nach geballtem Know-how, viel Spaß, Freude und Menschlichkeit bei der Arbeit. Gibt es aktuell noch freie Plätze?

Im Moment, ja – und durch eventuelle Wechsel immer wieder … Bei Interesse gerne einfach die Konditionen nachfragen und einen Termin für einen Lokalaugenschein vereinbaren.

Gibt es zukünftige Projekte in der Pipeline?

Wir haben leider immer wieder Schwierigkeiten mit externen Produktionswerkstätten – die Zusammenarbeit ist aus unterschiedlichen Gründen oft ­entgegen unseren Vorstellungen. Man muss hier vieles unter einen Hut bringen: Qualität, Preis, Termintreue usw. Deshalb träumen wir von einer Produktionswerkstätte in eigener Regie, am besten hier in Wien.

Auch gemeinsame Verkaufsräume mit Schaufenster und entsprechender Frequenz werden immer wieder besprochen, denn Kollektionen wollen repräsentativ gezeigt werden.

Viel buntes Leben haben wir in der Nebenfahrbahn des Gumpendorfer Gürtels nicht unbedingt. Wer diese Ecke kennt, weiß, dass bei uns in der Gegend keine potenziellen Kunden flanieren. Es sind eher Menschen, die aus verschiedensten Gründen durch das ­soziale Netz gefallen sind und an eine Ecke der Stadt geparkt wurden. Das ist für uns oft traurig zu beobachten.

Zum Glück gibt es beiderseitigen Respekt und ein halbwegs funktionierendes Miteinander.

Vielen Dank, Michaela Hudecova-Königshofer, für die spannenden Einblicke und das interessante Gespräch über das Prinzip Co-Working-Space!

Genaue Infos unter:

www.schnittbogen.at

 

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